

Werte Redaktion, liebe Autoren und Leser,
Mit Interesse habe ich euren Artikel über „Adventisten und das Militär“ gelesen und freue mich, dass ihr euch selbstkritisch an das Thema heranwagt. Dazu möchte ich einige Stellungnahmen machen.
Vorneweg jedoch eine Klarstellung: Ich unterstütze die Empfehlungen der Generalkonferenz zum waffenlosen Dienst durchaus. Denn sie hilft, die Problematik in einer vereinfachten Sicht zu „umgehen“ – denn wenn man für seine Werte einstehen will, bedarf es Rückrat und Entscheidungsfähigkeit – Mut, die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen, ob mit oder ohne Waffe.
Was ich in dem Artikel leider immer wieder vermisst habe, ist eine klare Unterscheidung zwischen „Militär“ (generell) und Heer (Streitmacht im speziellen) in einem demokratischen Land mit Vereidigung auf das Grundgesetz. Welche großen Unterschiede es hierbei gibt, zeigt schon ein Vergleich zwischen dem „Code of Conduct“ der USA und unserer Vereidigung auf das Grundgesetz bei Bundeswehr und Bundesheer.
Des Weiteren sollte zwischen Pazifisten und Antimilitaristen unterschieden werden. Denn diese sind Nutznießer (wie der Rest der Zivilbevölkerung auch), eines militärisch gesicherten Friedens, lehnen aber eben diese militärische Friedenssicherung kategorisch ab. Das ist eine
inkonsequente Haltung.
Die Beispiele, die bei der Unterüberschrift „Ein mehr als ernüchterndes Bild“ aufgeführt sind, sind grundsätzlich zutreffend und durchaus mehr als nur einer Überlegung wert. Aber zeigt das nicht gerade, wie sehr eine Friedenssicherung notwendig ist, genau so wie eine rechtstaatliche, demokratische Regierung, denn Christ (und Adventist) zu sein, reicht wohl leider alleine noch nicht aus, um auch politisch eine „gesunde Einstellung“ zu haben. Sollte es aber! Natürlich prägt die politische Überzeugung und die Nationalität, doch wenn die sich nicht mit den Grundzügen der eigenen religiösen Überzeugung deckt, sollte man gar nicht erst daran denken, eine Waffe für dieses Land in die Hand zu nehmen.
Eine Vermischung von „Militärs“ und Kriegen mit „rechtskonformen Interventionen“ ist wie die Gleichsetzung von „Religion jeglicher Ausartung“ mit einem friedliebenden Christen (Bsp. Adventist). Als Beispiel sei nur aufgezeigt, welchen Schaden der 30jährige Krieg anrichtete und das ausgeführt von Christen. Ergo: Christentum ist schlecht. So schafft man sicher keine Diskussionsgrundlage, wie vom Verfasser eingangs erhofft und angeregt.
Ohne präventivmilitärische Aktionen verteidigen zu wollen, sollte noch gesagt werden, dass der Versuch von Offb. 14:6 durch Antimilitarismus alleine sicher nicht verwirklichbar sein wird. Im Gegenteil, er wird noch vermindert, denn ohne Friedenssicherung (und Entmachtung) in von Tyrannen und Diktatoren geführten Staaten wird die Zivilbevölkerung nie in den Genuss einer Religionsfreiheit (und somit auf eine Möglichkeit zur Verkündigung) kommen!
Im Abschnitt „Was ist mit uns?“, werden zwar Zugeständnisse gemacht, diese sind aber mehr als Fragen formuliert. Wäre es nicht notwendig, vor suchenden jungen Menschen eine klare Haltung und einen Standpunkt zu beziehen?
So sollte zum Beispiel klar gemacht werden, dass es im 6. Gebot nicht um „Töten“, sondern um „meuchlings morden“ geht – denn einen Soldaten (nicht Söldner!) auf die Stufe eines Mörders zu stellen, wären schon mehr als gewagt!
In diesem Zusammenhang seien einmal die Aufgaben der deutschen Bundeswehr genannt: Neben der internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, dem Schutz Deutschlands und seiner Bevölkerung, sind die Rettung und Evakuierung sowie Partnerschaft/Kooperation und subsidiäre Hilfeleistungen (bei Katastrophen und Unglücksfällen) von entscheidender Bedeutung.
Dies trifft übrigens ebenso auf das österreichische Bundesheer und eine Reihe europäischer Bündnispartner zu.
Einsätze sowie Missionen (KFOR wurde im Artikel kurz erwähnt) müssen per UN-Mandat und/oder im Bundestag genehmigt werden. Auch hier ist eine rechtstaatliche und demokratische Überwachung gegeben. Unsere Soldaten werden (wie bereits eingangs angeschnitten), auf das Grundgesetz vereidigt, welches aus biblischen Geboten hervorgeht und/oder mit diesen konform geht. Ist es nicht ein christlicher Wunsch, diese Werte zu schützen?
Das genannte „Werkzeug“ heutiger, moderner Militärs sollte nicht als „wenig zimperlich“ bezeichnet werden, ist es doch auch mit dem Hintergedanken des Selbstschutzes entworfen (die militärische „Pflicht zur Gesunderhaltung“ deckt sich auf hier mit der biblischen Weisung, den eigenen Körper als „Tempel des heiligen Geistes“ zu sehen). Da verspricht die „Lanze“ im altertümlichen Sinn leider wenig Erfolg. Es ist des Weiteren ebenso unbestritten, dass das Umfeld prägt, aber das tut es auch in einem jeden „weltlichen“ Betrieb. Schafft das nicht gerade die Möglichkeit, durch sein Verhalten ein bestes Zeugnis zu geben? Fehlverhalten Einzelner sollten nicht auf eine ganze Institution (Leichenschändung) bezogen werden, sonst müssten so manche adventistische Einrichtungen schon lange geschlossen sein.
Wie sieht es mit dem zugegebenermaßen drastischen und martialischen Beispiel („Kollateralschäden“) von der anderen Seite betrachtet aus? Gilt es nicht, jene Familien zu schützen? Und ich wage zu bezweifeln, dass das reine Zitieren von Bibeltexten eben diesen Zivilisten helfen würde. Eigenverantwortliches Handeln ist gefragt, wie es zum Beispiel Simon Petrus in Joh. 18:10 vor Jesu Gefangennahme mit gutem Willen demonstriert hat. Jesu Antwort: Steck Dein Schwert an seinen Ort! – Ein weiteres Blutvergießen zur Erfüllung seiner Aufgabe wäre hier sinnlos gewesen.
Eurem Schlussplädoyer möchte ich mich anschließen: Auch im Rahmen des Zivildienstes gibt es verantwortungsvolle und wichtige Aufgaben und ich respektiere jeden, der diesen aus Überzeugung nachgeht. Jedoch sollte nicht in ein schwarz-weiß Denken (Leben retten / leben nehmen) verfallen werden, denn auch der Beitrag zu einer politisch-militärischen Stabilität schafft die Möglichkeit, Leben zu retten; Im direkten Sinne der Worte, wie auch auf geistlicher Ebene, um auch in Zukunft noch unter Religionsfreiheit christliche Werte vermitteln zu können. Das dies in Friedenszeiten nicht immer offensichtlich ist, erschwert das Verständnis. Aber seien wir doch froh darüber!
Ich hoffe nicht nur auf Rückbesinnung zu alten Werten, sondern auch zu Rückrat und einer sinngemäß) ungekürzten Veröffentlichung.
David Rohrmüller
Deutscher Bundswehr Verband